Odd-eyed

Odd-eyed Katzen

Folgender Artikel basiert nicht auf genetische Erkenntnisse durch DNA Tests, sondern auf jahrelang gesammelte Erfahrungen der (ehemaligen) Züchterin der Cattery Rivium´s aus den Niederlanden. Wir danken um die Erlaubnis, diese Erfahrungen auf deutsch weitergeben zu dürfen.

Eine Katze mit odd-eyed ist ein Tier mit einem orangenen, gelben oder grünen und einem blauen Auge.
Am meisten vertreten sind vollkommen weiße Katzen mit diesem besonderen Merkmal der Augen; aber auch Katzen mit hohem Weißanteil und einigen „Farbtupfern“ (z.B. Harlequin oder Van).
In ganz seltenen Fällen kommt odd-eyed bei Katzen ohne Weißanteil vor.
Weil wir bisher angenommen haben, dass eine odd-eyed Katze wenigstens ein Weiß-Gen (S) besitzen muss, um odd-eyed zu sein, ist es besonders bewundernswert, wenn wir Katzen ohne Weißanteil und odd-eyed sehen. Das allein zeigt schon, wie wenig wir über die Genetik von odd-eyed wissen.

Odd-eyed bei zweifarbigen Katzen ist ein autosomaler Defekt. Ein Defekt muss nicht zwangsläufig negativ sein. Dieser „Defekt“ steht im engen Zusammenhang mit den Melanozyten (Pigmentzellen, die Pigmentkörnchen bilden, das Pigment dieser Körner wird Melanin genannt). Blaue Augen werden also durch das Fehlen von Melanozyten verursacht.

Ein Nebeneffekt ist, dass Katzen mit einer verminderten Melaninproduktion das Fell nicht gut durchgefärbt ist (bei Verdünnung ist es weniger klar als bei Nicht-Verdünnungs-Farben).
Oft wird bemerkt, dass odd-eyed Katzen (oder odd-eyed Träger) eine weiße Schwanzspitze oder einen weißen Ring um den Schwanz haben. Es wurde sogar bemerkt, dass der Schwanz manchmal eine bestimmte Neigung hat. Der Zusammenhang ist aber bisher nicht erforscht und nicht immer die Regel.

Bei vollständig weißen Katzen ist es mit dem genetischen Faktor W (dominantes Weiß) verbunden, dass die Pigmentbildung auf Fell und Augenfarbe gehemmt ist.
Weiße Katzen können, wie bereits bekannt, blind oder taub sein. Bei farbigen Katzen mit Weißanteil (Bicolor, Harlequin, Van) tritt keine Taubheit auf.
Hier ist es das S-Gen, welches die Pigmentbildung hemmt (durch scheckige Fleckenbildung) und nicht der W Faktor.

Neugeborene Kitten haben ja von Anfang blaue Augen. Erst ab einem Alter von circa 4 Wochen beginnt die Melaninbildung im Körper der Katze, welches nach und nach an die Augen weitergegeben wird. Bei odd-eyed Katzen verlangsamt sich die Pigmentproduktion an einem Auge, dadurch werden blaue Augen durch den Mangel an Melanozyten verursacht. Die Augenfarbe wird durch das genetische Material in den Körperzellen bestimmt.
Dieses Material, bzw. diese Informationen befinden sich in der DNA, die bestimmt, welche Substanzen aktiviert werden, um eine Augenfarbe zu bilden. Eine Substanz, die erzeugt wird, ist u.a. auch das Melanin. Bei Katzen mit dunklen Augen entsteht viel Melanin, bei Katzen mit hellen Augen entsprechend weniger. Ebenso kommt Melanin auch im Fell vor.

Bei weißen Katzen mit odd-eyed (Faktor W) benötigt es nur ein Elternteil mit diesem Merkmal, um dieses an ihre Nachkommen weiterzugeben (dominante Vererbung). Es sind jedoch nur die weißen Nachkommen odd-eyed.
Bei zweifarbigen Katzen mit odd-eyed handelt es sich um einen autosomalen Vererbungsdefekt. Das Odd-Eyed-Gen muss von beiden Eltern stammen.
Katzen können dieses Gen (oder diesen Defekt) über mehrere Generationen hinweg tragen. Vermutlich wird das Odd-eyed durch mehrere Gene bestimmt. Bei der autosomal-rezessiven Vererbung haben beide Eltern das Gen für Odd-eyed in der DNA und geben es an ihre Nachkommen weiter.

Wenn ein Zuchtziel darin besteht, zweifarbige Katzen mit odd-eyed zu züchten, ist es wenig sinnvoll, weiße odd-eyed Katzen (Faktor W) mit zweifarbigen (z.B. Bicolor) odd-eyed zu verpaaren, da aus dieser Kombinationen die Nachkommen keine odd-eyed Katzen werden.
Denn: Es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Gene, die das odd-eyed verursachen.
Natürlich werden hier jedoch weiß geborene Kitten (Faktor W) odd-eyed sein (bereits genannte Vererbungsregel).

Bei Briten ist odd-eyed oder blue-eyed die aktuell seltenste Augenfarbe. Zweifarbige Katzen haben keine Hörprobleme, da diese Augen durch das S-Allel (Weißscheckung) und nicht durch weiße Katzen (W-Allel) entstanden sind.

Katzen mit odd-eyed die Harlequin oder Van sind, werden von den meisten Katzenvereinen anerkannt. Da es noch nicht so lange vorkommt, wurde die Kombination Odd-Eyed bei Bicolor auch erst seit kurzem bei einigen Verbänden anerkannt. Bei der WCF wird dieses Merkmal anerkannt.

Warum es noch keine DNA Tests für odd-eyed gibt:

Eine Katze hat 48 Chromosomen (24 Paare). Jedes Chromosom besteht aus einem DNA-Streifen, welches aus Tausenden von Teilen besteht; auch Gene genannt.
Chromosomen enthalten alle genetischen Eigenschaften. DNA befindet sich im Zellkern jeder Zelle. Eine Katze hat mehr als 80.000 Gene. Die ersten Zellen eines Embryos wachsen zu vielen verschiedenen Zelltypen heran. Während dieser Entwicklung erhalten die Zellen ihre spezifische Funktion. Sie entwickeln sich zu Gehirnzellen, Hautzellen oder Muskelzellen.
Jede Zelle enthält eine vollständige Kopie des genetischen Materials der Eltern in Form von Chromosomen. Bei jeder Zellteilung wird eine Kopie des gesamten genetischen Materials erstellt. Chromosomen sind die Träger der Gene und enthalten alle genetischen Informationen, die zur Entwicklung, Erhaltung und Reproduktion eines Individuums erforderlich sind.
Man kann sich Chromosomen als lange Stränge vorstellen. Diese bestehen aus einer Substanz, die wir DNA nennen. Die DNA enthält den Code, in dem alle unsere geerbten Merkmale aufgezeichnet werden. Ein Gen ist ein Stück definierter DNA, welches die Informationen für die Bildung eines bestimmten Proteins enthält. Proteine verbinden sich mit anderen Proteinen und haben daher mehrere Funktionen im Körper. Gene bestimmen die genetischen Eigenschaften wie die Farbe der Augen oder die der Haare.
In der menschlichen Forschung hat man mindestens 15 verschiedene Gene gefunden, die eine wichtige Rolle bei der Übertragung der Augenfarbe spielen. DNA-Studien befassen sich mit Unterschieden oder Ähnlichkeiten zwischen kranken und gesunden Genen. Für Defekte, die nur durch 1 Genmutation verursacht werden, kann ein DNA-Test entwickelt werden.
Wenn aber mehrere Gene eine Rolle spielen, wie hier beim Odd-eyed, besteht die Möglichkeit eines DNA-Tests jedoch noch nicht.

Wichtig: Es handelt sich bei dieser Beschreibung nicht um das bekannte „dominant blue eyes“ da dieses von einer bestimmten Linie stammt und es 1 Elternteil ausreicht um dieses Gen weiterzugeben.

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